Entscheidende Etappe auf der „Road to Finland“: Am Sonntag, den 18. März, traf sich die deutsche U19-Nationalmannschaft in Arnsberg, um sich auf die am Mittwoch, den 21. März, beginnende EM-Qualifikation vorzubereiten. Das Team von DFB-Trainer Meikel Schönweitz muss Gruppenerster werden, um an der Endrunde in Finnland teilzunehmen. Los geht es in Lippstadt gegen Schottland, am Samstag, den 24. März, ab 12:00 Uhr wartet in Hüsten Norwegen und zum Abschluss am Dienstag, den 27. März, ab 18:00 Uhr in Ahlen die Niederlande. Vor Beginn der EM-Quali spricht der 38 Jahre alte U19-Coach Meikel Schönweitz im DFB.de-Interview mit Redakteur Ronny Zimmermann über „seinen“ 1999er Jahrgang, über den Heimvorteil und er verrät, warum die EM-Quali gefühlt schon der EM-Gruppenphase entspricht.

DFB.de: Sie haben die EM-Qualifikation bereits zur EM-Gruppenphase erklärt. Warum?

Meikel Schönweitz: „Ganz einfach, das liegt am ambitionierten Modus: Für die Endrunde können sich neben dem Gastgeber aus Finnland nur sieben weitere Mannschaften qualifizieren. Die EM-Teilnahme entspricht quasi schon dem Viertelfinale. Insofern kommt die vor uns liegende Qualifikationsrunde einer EM-Gruppenphase gleich. Und Schottland, Norwegen sowie die Niederlande sind definitiv Teams, die wir qualitativ auch bei der EURO hätten treffen können.“

DFB.de: Was erwartet Sie somit im „EM-Eröffnungsspiel“ gegen Schottland?

Meikel Schönweitz: „Nachdem die Jungs am Sonntag ankamen, blieben uns der Montag und der Dienstag, um uns auf das Spiel vorzubereiten. Es erwartet uns ein Flutlicht-Länderspiel gegen einen leidenschaftlichen Gegner, der uns gleich alles abverlangen wird. Die Schotten kommen quasi aus dem Trainingslager, in dem sie Dänemark und Österreich schlagen konnten. Wir freuen uns auf das Duell, auf die schottische Mentalität und auf ein hoffentlich gut gefülltes Stadion in Lippstadt.“

DFB.de: In der aktuellen Qualifikationsrunde kommt lediglich der Gruppenerste weiter und löst das EM-Ticket. Ist das zusätzlicher Druck oder spannende Herausforderung?

Meikel Schönweitz: „Wir haben ohnehin den Anspruch an uns, jedes Spiel zu gewinnen. Wir legen den Fokus also nur auf unsere Ziele und unsere Aufgaben. Diese Überzeugung haben sich die Jungs über all die Jahre hart erarbeitet. Wir begegnen allen Gegnern mit Respekt, wollen aber unser Spiel durchdrücken und unser maximales Potenzial ausschöpfen. Für die Jungs ist es klasse, sich mit den Besten messen zu können. Solchen Vergleichen fiebert jeder Sportler entgegen. Wir nehmen das sehr positiv an.“

DFB.de: Aus Ihrem 20-köpfigen Kader spielen Kai Havertz, Arne Maier und Gian-Luca Itter bereits in der Bundesliga, zehn weitere Akteure nahmen an der U 17-EM 2016 in Aserbaidschan teil. Täuscht es, oder ist dieses Team überdurchschnittlich erfahren für eine U19?

Meikel Schönweitz: „Das ist ja unser größtes Gut mit Blick auf die A-Nationalmannschaft. Wir wollen, dass die Jungs auf ihrem Weg möglichst viele dieser Erfahrungen sammeln. Beim Confed-Cup-Sieg 2017 hatten wir zwar den jüngsten Kader seit vielen Jahren, aber mit Blick auf die Einsätze in den U-Nationalmannschaften den erfahrensten. Allein Julian Brandt beispielsweise stand mit unseren U-Teams schon im U17-EM-Finale, gewann die U19-EM, war bei einer U20-WM dabei und spielte mit der U21 im Olympiafinale. Beim WM-Sieg 2014 hatten 22 von 23 Spielern U-Team-Erfahrung und allein 13 Spieler standen bereits zuvor in einem U- oder A-Endrundenturnier im Finale. Diese Erfahrungen sind enorm wertvoll und durch nichts zu ersetzen. Das heißt allerdings nicht, dass die Tür für Spieler, die sich später entwickeln, nicht mehr offen ist. Wir hätten beispielsweise sehr gerne David Otto von 1899 Hoffenheim bei der U19-EM-Quali mitgenommen: Er spielt eine tolle Saison, steht uns aber verletzungsbedingt leider nicht zur Verfügung. Mit Blick auf den Abrufkader sind viele Spieler nah an die Mannschaft herangerückt, die bei der U17-EM noch nicht im Fokus standen.“

DFB.de: Wie würden Sie den Jahrgang 1999 generell beschreiben?

Meikel Schönweitz: „Das ist ein unheimlich spannender Jahrgang mit den unterschiedlichsten Qualitäten und Typen. Die Jungs haben einen ganz feinen Charakter und ein auffällig gutes Miteinander. Sie sind enorm engagiert, saugen sehr viel auf von dem, was wir ihnen mit auf den Weg geben und wollen sich auch aus eigenem Antrieb heraus weiterentwickeln. Uns im Trainerteam macht es viel Freude, mit ihnen zu arbeiten. Sicherlich wird es nun auch eine der Aufgaben sein, dass sich die „Leader“ noch mehr herauskristallisieren und sie ihre Mitspieler mitreißen. Dafür eignen sich solche entscheidenden Spiele wie gegen Schottland, Norwegen und die Niederlande.“

DFB.de: Welche Rolle spielt es, die drei Partien in Deutschland austragen zu können?

Meikel Schönweitz: „Für die Jungs ist es natürlich etwas Besonderes, eine EM-Quali vor heimischem Publikum zu spielen. Das kann schon ein Vorteil sein und zusätzlich motivieren. Auch Horst Hrubesch als gebürtiger Westfale wird unsere EM-Quali-Spiele vor Ort verfolgen. In Lippstadt, Hüsten und Ahlen merkt man bereits die Vorfreude auf diese Länderspiele. Je mehr Unterstützung wir in der Region erfahren, desto schöner ist es für alle Beteiligten.“

DFB.de: Welche Bedeutung hat die Teilnahme an der EM in Finnland im Sommer für den DFB und die U-Nationalmannschaften?

Meikel Schönweitz: „Die U19-EURO ist das höchste Juniorenturnier in diesem Jahr. Da nur acht Mannschaften teilnehmen können, ist das sportliche Niveau sehr hoch. Unsere Spieler können in ihrer Entwicklung enorm davon profitieren. Wir wollen in Finnland unbedingt dabei sein. Auf diesem Ziel liegt in den nächsten Tagen unser voller Fokus.“